Peer Steinbrück – Patzig

Wenn ich hier einen Politiker der SPD kritisch beschreibe, dann bedeutet das nicht,
ich würde andere Parteien bevorzugen.

Peer Steinbrück tritt mitunter sehr patzig auf. Er erinnert an jenes „power und patzig“, das Adorno dem Dichter Schiller attestierte und einem besseren Geschmack einfach nicht gefällt. Herumpoltern und Muskelspiel, Drohen ohne wirkliche Macht, Provozieren mit scheinheiligem Augenzwinkern … „ja, liebe Freunde, ich habe ein starkes Selbstbewusstsein“, während eine Unsicherheit nicht zu übersehen bleibt – dieses Bild wirkt nicht besonders gut auf den geneigten Zuhörer und Zuschauer. Denn es kommt noch etwas hinzu: Eine theatralische Mimik, die keineswegs gekonnt vorgetragen wird. Er demonstriert so gern die schmalen Lippen des Vieldenkers.

Diese show ist peinlich, manche bekommen sogar das Fremdschämen. Leider fehlt die überzeugende Souveränität, eine Vertrauen weckende Gelassenheit. Seine Mundwinkel weisen bei relativer Entspannung der Gesichtsmuskulatur nach unten. Ein chinesisches Sprichwort sagt: Wer kein Lächeln hat, sollte keinen Laden eröffnen.

Steinbrück spricht meistens viel zu schnell. Natürlich können wir ihm folgen. Er sollte langsamer sprechen, weil Steinbrück dann seine Schachtelsätze, die alle doch grundsätzlich so gern hören, auch vernünftig und vollständig konstruieren würde. Sattdessen verliert er im Galopp zuweilen Satzteile und konjugiert auch falsch. Beispiele möchte ich nicht zitieren.

Nun zur Gestik. Steinbrück möchte gar nicht seinen Körper sprechen lassen. Er hat zwar stereotype Bewegungen intus, die für Redner seiner Berufsgruppe einfach angesagt sind. Doch es sieht bei ihm ein wenig so aus, als sei er eben am falschen Ort oder auf der Durchreise. Steinbrück möchte nicht.

Das Auftreten ist so ganz seine Sache nicht. Es erinnert an ein Marionettenspiel. Für dieses Erscheinungsbild gab es früher einmal das Adverb “ungestalt”. Wer möchte es ihm verdenken, dass die Unerbittlichkeit und Härte der Medien ihn stark irritieren. Nun, niemand hat ihn gezwungen. Oder war es Helmut Schmidt? Hat er diese höhere Weihe nicht verkraftet oder selbstbewusst als Miss- und Nießbrauch seiner persönlichen Freiheit aufgenommen?

Vielleicht wird Steinbrück patzig, weil er ständig vor etwas fliehen möchte. Wird er mal vertraulich und antizipiert den konstruktiven Dialog, dann badet er sich in seiner Jovialität, um gleich erneut Spitzen zu verteilen. Manchmal ist er auch angenehm brav. Da haben wir ihn! Doch Steinbrück möchte das nicht.

Es fehlt ihm die Liebe zur Selbstinszenierung. Gerhard Schröder liebt und beherrscht sie. Ebenso Guido Westerwelle. Steinbrück mag es nicht. Und das spricht für ihn, für eine gewisse intellektuelle Redlichkeit, die allerdings ihn nicht dazu gebracht hat, das ganze Gehabe, dieses Inszenieren eines ethischen Scheins, nämlich der Politik als redliches soziales gesellschaftliches Handeln, anderen, den Dümmeren zu überlassen.

Es entsteht die Frage, ob Steinbrück denn über seine Rolle mit Blick auf seine Ziele wirklich ausführlichst nachgedacht und dazu auch sich beraten lassen hat. Wahrscheinlich. Das Ergebnis aber ist nicht angenehm. Fragen Sie mal Kinder, wie er so wirkt. Die werden das gar nicht beschreiben mögen.

Übrigens: Hier Steinbrück so richtig patzig in „Steinbrück und die Bonzenschleuder„…

 

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