Social: Gegen Nicknames

Ich bin seit Monaten nicht selten verwickelt in das Texten in Blogs und Foren. Dabei ging es um Rufmord an einem Unternehmen. Es wurde öffentlich diskutiert über dessen Wert; Externe übernahmen die Verantwortung für die Gestaltung des Images.

Das größte Defizit der Blogs und Foren, das auch in diesem Fall immer wieder zu Tage trat, ist die Anonymität, das Verbergen der Identität hinter „Nicknames“.

Den meisten tut so ein Nickname gar nicht gut. Denn sie lassen sich schnell zu unangebrachten und unhöflichen Äußerungen verleiten. Mehr noch: Dort, wo es zum Beispiel um juristische Fragen ging, wurde das Recht gar nicht mehr gebührend  berücksichtigt, schon gar nicht das publizistische. Sondern es ging alleine jeweils gegen die beteiligten Diskutanten, nicht um die Sache.

Das Suchen nach Argumenten gegen den Menschen machte so herrlich erfinderisch, weniger die Pflicht zur ethischen Angemessenheit.

Diskussion wurde verstanden nicht als Diskurs einer Gruppe von Diskutanten auf dem Weg zu einem gemeinsamen Anerkennen geteilter Überzeugungen. Es war von vorneherein klar, dass die jeweils Anderen dazu nicht fähig wären und die Wahrheit ohnehin vom jeweils Schreibenden gepachtet war.

Das sind keine Einzelfälle, es ist in vielen dieser virtuellen Räume leider die Regel. Ein Verstecken hinter falschen Namen, Visieren und Masken weckte Phanatsien der persönlichen Allmacht. Das ist gar nicht zu gebrauchen.