Geteilter Meinung

Wenn es denn nur das ist. Da bestehen ja immerhin noch Chancen auf eine Verständigung. Obwohl genau jetzt der Punkt erreicht ist, an dem wir uns auch für eine Eiszeit entscheiden könnten, für eine Zeit des stillen Ärgers, der Verwünschungen, sogar des Hasses. Oder eben doch noch für die Aufnahme der Gespräche, für den Dialog – auch wenn’s zunächst schwer fällt.

Geteilter Meinung. Ein recht vernünftiger Ausdruck – angesichts der Sachlage, dass Zwei oder Mehrere sich nicht einigen können oder es nicht mögen. Ein zweifellos konstruktiver Begriff. Ein Zwischenergebnis. Auf dem Weg zu einer Lösung. Sie steht noch aus, auch wenn in dieser Lage die Aussicht auf das Einigen zuerst nicht so ganz gut erscheint.

A. Paul Weber - Geteilter Meinung

An diesem Punkt sind Kriege entstanden oder Verhandlungen aufgenommen worden, die den Frieden bewahrten. Es gilt, den Standpunkt oder die Meinung des Anderen zu verstehen, zu tolerieren und zu akzeptieren. Zumindest dann, wenn man zur Argumentation noch bereit ist.
Das Miteinanderreden, das Argumentieren, Diskutieren und sogar das manchmal unerbittliche Streiten gehören zur Demokratie. Dieses rhetorische Handeln ist ein demokratisches Handeln. Die Meisten können das leider nicht, sie ertragen schon die Meinungsverschiedenheit nur schwer und bleiben darüber geradezu beleidigt. Weil ihre so wertvolle eigene Ansicht nicht prompt akzeptiert wird. Sie verwechseln eine Meinung mit ihrer gesamten Person. Mancher hat solchen nicht seltenen Kandidaten schon den Arzt empfohlen.

Geteilter Meinung sein, es gehört zum Prozess der Erörterung von Lösungen. Sehr oft auch das Kämpfen um einen Standpunkt, um das Rechtbehalten, die Lust am Streiten. Und schließlich bringt auch das Einigen Freude.

Den Dialog sollten wir suchen, und zwar aus Egoismus. Erstens erleichtert der Dialog das Leben. Zweitens kommt man in der Regel nur auf diesem Weg an persönliche Ziele. Drittens hat es immerhin den guten Nebeneffekt, dass wir andere wohl stimmen und uns relativ wohlgesonnen erhalten. Den Dialog suchen, aus humanistischem Antrieb. Frieden ist besser. Und dabei darf aufrichtige Humanität den konstanten Egoismus nicht übersehen. Er ist legitim. Ihn müssen wir sachlich kalkulieren. Deshalb brauchen wir den Diskurs. Wie simpel.

Bleibt lediglich das Problem der Dummheit. Nun, nicht verzagen!

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